Wenn es einen aus welchen Gründen auch immer - sei es Beruf, die Liebe, widrige Umstände oder alles zusammen - einmal aus der Stadt seines Heimatclubs mindestens 300 km vertrieben haben, sieht die Welt auf einmal etwas anders aus. Das Leben ändert sich ohnehin erheblich (vor allem, wenn man aus Berlin wegzieht), außerdem entfallen feste kurzfristige Planungsparameter, dafür kommen längerfristige hinzu - man teilt das Leben nicht mehr in ‘freie Wochenenden’ und ‘die restlichen Wochenenden’ (Heimspiele) ein, sondern sieht alles auf einmal ganz anders. Abgesehen von einigen Samstagen, an denen man in der ehemaligen Heimatstadt weilt, begleitet man sein Team doch eher aus der Ferne, am Radio, am Fernseher oder am News-Ticker - je nachdem was das Leben an einem Samstag Nachmittag noch so hergibt. Dennoch sind die Bundesligavereine doch so gut über Deutschland verteilt, dass es spärliche Highlights gibt, nämlich dann , wenn der Heimatverein zu einem Auswärtsspiel zu einem kommt oder doch zumindest in die Nähe. Und auf einmal interessiert man sich die Saison über auch für Spiele aus der 2. Liga, die sportlich gesehen bedeutungslos sind, aber ich habe mich letzte Saison doch glatt dabei erwischt, dass ich Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg gleichzeitig den Aufstieg in Liga 1 gewünscht habe - nun ja, beim 1.FCN könnte man noch von Erhalt von Tradition reden, die liegt jedoch bei Greuther Fürth doch schon sehr weit zurück und ist fast schon nicht wahr.
Einer von beiden Vereinen hat es nun tatsächlich geschafft und so kommt mir die Hertha im Oktober entgegen, ich habe nur 160 km zu fahren und man freut sich dann schon im Mai über Ergebnisse aus den Relegationsspielen, selbst wenn man es den Freunden aus der Lausitz von Herzen gegönnt hätte, in der 1. Liga zu bleiben.
Stehen die Partien in der Nähe für die Saison erstmal fest, gibt es einen weiteren wichtigen Termin, um den man sich zuvor auch nicht geschert hat. Es ist die Ansetzung aller Liga-Partien Anfang Juli, da stellt sich dann nämlich heraus, ob eines der Saisonhöhepunkte nicht vielleicht doch gerade mit dem Familienurlaub kollidiert (so letztes Jahr geschehen beim Spiel Bayern gegen Hertha) - es ist ja leider nicht so einfach durchsetzbar, den Jahresurlaub erst nach der ersten Juli-Woche zu planen … lastminute ist leider nicht jedermanns Sache
Dieses Jahr lief alles bestens, die Termine stehen und Kurz-Reisen nach Nürnberg im Oktober, nach Stuttgart im November und in die Allianz-Arena gegen Bayern kurz vor Weihnachten sind avisiert.
Und manchmal überrascht einen noch so ein unverhofftes Schmankerl (wie der Bayer sagt) und Hertha wird im DFB-Pokal den Löwen zugelost und glücklicherweise (man verzeihe mir!) auch noch auswärts und … ich bin nicht im Urlaub, da hüpft das Herz eines Exil-Herthaners! Ähnlich wird es wohl Enno ergangen sein, als er vom Spiel der Hertha in Münster erfahren hat, hier sein Spielbericht.
Tja, und dann gibt es da noch meinen Kollegen und Exil-Herthaner Stefan, der dachte bis gestern, er könnte nach der Teilnahme am Berlin-Marathon am 20.9. noch eine Woche Urlaub machen - in Berlin - und das ist die Woche, in der alle Partien der 2. DFB-Pokalrunde gespielt werden. Er wird feststellen müssen, dass man sich in München auch prima vom Marathon erholen kann.

