Es ist nicht zu glauben: Wir schreiben die 77. Minute, der FC Bayern ist nach in jeder Hinsicht unmöglichen Treffern von Artur Wichniarek und Valerij Domovchisky schon in den ersten Minuten der Partie in Rückstand geraten und drängt seitdem in einem Sturmlauf auf den Anschlußtreffer, der partout nicht fallen will. Immer wieder scheitern Mario Gomez, Arjen Robben und Miro Klose fast im Minutentakt mit hundertprozentigen Chancen. Doch dann diese 77. Minute, Freistoß für Bayern ca. 19 Meter vor dem Hertha-Tor. Robben tippt an, Schweinsteiger zieht ab mit einer Gewalt, die an die besten Zeiten eines Roberto Carlos erinnert. Der Ball fliegt und Jaroslav Drobny streckt seinen Körper auf gefühlte 2,30 m und lenkt den Ball direkt aus dem Dreiangel über die Latte. Dann die Ecke: Wieder Schweini, Kopfball Gomez und Steve ‘Fußballgott’ van Bergen rettet auf der Linie, schlägt den Ball aus der Gefahrenzone. Cicero empfängt den Ball am Mittelkreis und paßt abseitsverdächtig auf unseren Gustavo Adrian Ramos, der im Liebesglück kurz vor seiner Hochzeit auf Butt zuläuft und ihn wie letztens den Herrn Lehmann aus Stuttgart umkurvt und zum 0:3 einnetzt. Unfaßbar! Und ich stehe im Hertha-Block, wo seit 70 Minuten eine Stimmung herrscht wie wenn wir kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft stehen würden, die 10 Grad Minus fühlt man schon nicht mehr, es ist schöner und wärmer als im Märchensommer 2006 und wie im Rausch. Doch da passiert das Unvermeidbare: Ich nippe an der Kaffeetasse und bekomme ein Stück Milchhaut, die sich nach dem Erwärmen gebildet hat, zwischen die Zähne, ein Ereignis, was zu keinem unpassenderen Zeitpunkt hätte passieren dürfen und so blieb das 0:4 und 0:5 leider aus, es blieb bei gespielten 77 Minuten.
Update 23:45: Es wurden dann doch 90 Minuten gespielt und es leif irgendwie anders - es waren nicht minus 10 Grad, es waren minus 13 Grad … naja, und auch sonst war es irgendwie anders …